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Mengenausgleich

 
Der NormalfallDie AusnahmeWarum notwendig?Vergleich

Der Normalfall: Fairtrade-Produkt stammt 1:1 von der Fairtrade-Organisation

 

Wenn ein Produkt das Fairtrade-Siegel trägt, bedeutet dies, dass es gemäß den internationalen Fairtrade-Standards gehandelt wurde. Im Normallfall (weit über 80 Prozent der Fairtrade-Umsätze ) stammen auch das Produkt und sein Inhalt 1:1 von der Fairtrade-zertifizierten Produzentenorganisation. Das heißt, die Banane mit dem Fairtrade-Siegel wurde von einem Fairtrade-Produzenten gepflückt. Dasselbe gilt für sämtliche Fairtrade-Früchte, -Rosen, -Kaffee, -Reis, -Honig, -Nüsse, -Gewürze sowie für die Fairtrade-Baumwolle. Bei all diesen Rohstoffen ist somit die sogenannte physische Rückverfolgbarkeit gewährleistet. Die Fairtrade-Ware wird in der ganzen Liefer- und Verarbeitungskette von Nicht-Fairtrade-Ware getrennt. Die Kontrollorganisation FLO-CERT prüft den Waren- und Geldfluss über die ganze Lieferkette.

 
Rückverfolgbarkeit bei Fairtrade-Produkten mit Mengenausgleich

Im Normalfall besteht ein Fairtrade-Produkte 1:1 aus den von den Fairtrade-Produzenten angebauten Rohstoffen

 

Die Ausnahme: Fairtrade-Rohstoff wird mit anderen Nicht-Fairtrade-Rohstoffen gemischt

 

Es gibt hingegen Produkte mit dem Fairtrade-Siegel, bei denen der Produktinhalt (die verwendeten Rohstoffe) während der Verarbeitung mit anderen Inhalten vermischt werden müssen. Dies ist der Fall bei Kakao, Fruchtsaft, Tee und Zucker. Für diese Produkte beziehungsweise Produzentengruppen ist der Mengenausgleich meist unumgänglich.

Diese Rohstoffe werden von Fairtrade-Bauern oder -Arbeitern geerntet und müssen teilweise direkt vor Ort weiter verarbeitet werden. Zucker-Kleinbauern beispielsweise müssen ihren Zucker an die nächste Zuckermühle verkaufen. Dort wird der Fairtrade-Zucker dann schon am Produktionsort im Süden zwangsläufig mit nicht-Fairtrade-Zucker gemischt. Für eine eigene Produktionslinie ist der Fairtrade-Anteil Zuckerrohr zu gering. Eine durchgängige physische Trennung von Fairtrade und Nicht-Fairtrade-Rohstoffen kann in diesen Fällen nicht garantiert werden. Der Mengenausgleich wird gestattet, damit trotzdem gerade kleine Produzentengruppen am Fairtrade-System teilnehmen können.

 

Warum Mengenausgleich? Eine entwicklungspolitische Notwendigkeit

 

Würde man die physische Rückverfolgbarkeit für alle Fairtrade-Produkte voraussetzen, wäre die Folge, dass manchen Produzenten-Organisationen dadurch Nachteile bis hin zum Marktausschluss entstehen könnten. Sie könnten dann nicht mehr am Fairtrade-System teilnehmen. In einigen Produktkategorien würde sogar die Mehrheit der Fairtrade-Bauern ausgeschlossen. In anderen Fällen würde sich auch durch physische Rückverfolgbarkeit die Umweltbilanz verschlechtern.

Das wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn vor allem kleinere Produzenten-Organisationen nicht genug Rohstoffe für eine Fabrikations-Charge liefern können, und dann zwangsläufig eine Mischung mit Rohstoffen erfolgt, die nicht von Fairtrade-Erzeugern stammt.

Oder wenn Firmen, die ihre Produkte weiterverarbeiten, Fairtrade-Produkte aus technischen Gründen nicht separieren können. Wenn auch für diese Fälle physische Rückverfolgbarkeit verlangt würde, wäre es möglich, dass die Bauern und Arbeiter ihre Produkte nicht mehr unter Fairtrade-Bedingungen verkaufen könnten.
Betroffen: Kakao, Zucker, Fruchtsäfte und Tee

Aus diesen Gründen hat Fairtrade International die Vorgabe, für diese Produkte eine physische Rückverfolgbarkeit einzuhalten, zunächst für einen befristeten Zeitraum ausgesetzt, bis die Voraussetzungen für eine physische Rückverfolgbarkeit gegeben sind.

Letzteres hängt vor allem von den unter Fairtrade verkauften Mengen ab, und begründet unter anderem warum es im Interesse der Produzenten ist, mehr Mengen unter Fairtrade verkaufen zu können.
Generell geht es dabei um die Produktgruppen Kakao, Fruchtsäfte, Zucker und Tee – hier ist derzeit im Gegensatz zu allen anderen Fairtrade-Produkten eine physische Rückverfolgbarkeit nicht vorgeschrieben, sondern nur empfohlen soweit möglich.

Nur in Ausnahmefällen, wenn es beispielsweise zu Produktionsengpässen kommt, kann diese Regel auch für andere Produktzutaten genehmigt werden.

 

Transparenz und klare Kommunikation für Verbraucher

Fairtrade International und seine Mitglieder kommunizieren den Fairtrade-Standard zur Rückverfolgbarkeit aktiv, um sicherzugehen, dass die Öffentlichkeit informiert ist und versteht, was das Fairtrade-Siegel auf einem Produkt bedeutet. Auf unserer Internetseite ist das Thema jederzeit nachlesbar und auf der Fairtrade-Code-Seite sind die Produkte verlinkt, die mit Mengenausgleich arbeiten.

Alle Partnerfirmen in Deutschland, die nach dieser Regelung handeln, sind verpflichtet, ihre Verpackungstexte dergestalt zu verändern, dass der Mengenausgleich direkt auf der Packung kommuniziert wird.
Sicherheit für Verbraucher

Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben die Gewissheit, dass für das Fairtrade-Produkt mit Fairtrade-Siegel eine Fairtrade-Prämie und auch ein Mindestpreis an die zertifizierte Produzentenorganisation bezahlt wurden. Insgesamt darf die Industrie nur so viel Fairtrade-Produkte verkaufen, wie sie Fairtrade-Rohstoffe einkauft. Der gesamte Waren- und Geldfluss wird schriftlich dokumentiert und von der Kontrollorganisation FLO-CERT überprüft.

Auch in diesem Fall gilt: Jeder Kauf eines Fairtrade-Produkts hat eine direkte Auswirkung auf die Produzentenorganisation in den Entwicklungsländern. Die Verbraucherinnen und Verbraucher unterstützen damit direkt die Produzentenorganisationen und haben die Gewissheit, dass die Fairtrade-Prämie und der Mindestpreis dort ankommen, wo sie hingehören, nämlich bei den Produzenten.

 

Das Beispiel Orangen

Saft-Orangen müssen möglichst schnell verarbeitet werden. Das heißt, der Produzent muss seine Orangen zügig an die nächst gelegene Fabrik verkaufen, die die Orangen zu Konzentrat verarbeitet.
 
Die Fabrik verarbeitet am Tag 700 t Orangen, der Produzent erntet am Tag nur 2,7 t Orangen (1000 t Orangen im Jahr).
 
Das bedeutet, die Orangen müssen zwangsläufig mit Nicht-Fairtrade-Orangen, die ebenfalls an die Fabrik geliefert werden verarbeitet werden. Ohne den Mengenausgleich könnten die Orangenproduzenten also nicht am Fairen Handel teilnehmen.

 
Abbildung: Grafik zur indirekten Rückverfolgbarkeit am Beispiel Schokolade

Grüner Pfeil = Warenfluss
Blauer Pfeil = Geldfluss: Bezahlung des festgelegten Fairtrade-Mindestpreises, der Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte und Bioaufschlags.

 

Vergleich mit dem Ökostrom-Prinzip

 

Ein Vergleich mit dem Ökostrom zeigt Ähnlichkeiten auf. Auch der Ökostromkunde zieht aus seiner Steckdose nicht reinen Ökostrom, sondern einen Energiemix. Aber die Entscheidung für Ökostrom führt schließlich dazu, dass erneuerbare Energien ausgebaut werden. Um den Ökostrom komplett getrennt zu halten, würden zu hohe Kosten entstehen.
 
Ähnlich funktioniert die Verarbeitung beispielsweise von Zuckerrohr im Fairen Handel, wo Zuckerkooperativen von den fairen Preisen, würdigen Arbeitsbedingungen und nachhaltigen Anbaumethoden profitieren, wo aber in der Folge eine getrennte Weiterverarbeitung des Fairtrade-Rohrzuckers logistisch und ökonomisch nicht zweckmäßig ist. Denn die meisten Zuckerbauernfamilien verkaufen ihre Ernte an Fabriken, die daraus innerhalb von 48 Stunden Zucker für den Exportmarkt herstellen. Nur wenige Kooperativen sind in der Lage, das Zuckerrohr auch selbst zu verarbeiten. Die getrennte Weiterverarbeitung in Fabriken, würde zu hohe Zusatzkosten verursachen und die Produkte verteuern, ohne dass die Produzentenorganisationen davon profitieren.

Hintergrundpapier zum Mengenausgleich und Rückverfolgbarkeit